Wer durch Spanien fährt, entdeckt ihn immer wieder am Straßenrand: den mächtigen schwarzen Stier, der über Hügel und Felder blickt. Der Osborne-Stier (spanisch: Toro de Osborne) ist längst mehr als nur eine Werbefigur – er ist ein Symbol für Spanien geworden.

Vom Werbeschild zum Nationalsymbol
In den 1950er-Jahren ließ die traditionsreiche Wein- und Sherryfirma Osborne aus El Puerto de Santa María bei Cádiz riesige Stiersilhouetten aufstellen, um ihren Brandy „Veterano“ zu bewerben. Die Tafeln waren bis zu 14 Meter hoch und weithin sichtbar – ein echter Blickfang entlang der spanischen Landstraßen.
Doch bald galt der Osborne-Stier als Ablenkung im Straßenverkehr. Werbung an Autobahnen wurde verboten, und eigentlich sollten die Schilder verschwinden. Stattdessen entfernte man die Markenaufschrift und malte die Stiere komplett schwarz an – damit blieben sie als neutrale Figuren stehen.
Der Stier wird zum Kultobjekt
Was als Kompromiss begann, wurde schnell zur Legende: Der schwarze Stier wurde zum Wahrzeichen Spaniens. Für viele steht er bis heute für Stolz, Tradition und nationale Identität. Als die Regierung Jahre später ihren vollständigen Abbau anordnete, regte sich massiver Widerstand – die Bevölkerung kämpfte für den Erhalt.
Schließlich setzte sich die Symbolkraft durch: Der Osborne-Stier blieb stehen und wurde unter Denkmalschutz gestellt. Heute gilt er als Kultobjekt und inoffizielles Nationaltier Spaniens.
Kein Stier in Katalonien
Nur in Katalonien sucht man den berühmten Stier vergeblich. Dort sind Stierkämpfe verboten, und stattdessen ziert ein Esel („ruc català“) viele Autos und Souvenirs – als augenzwinkernder Gegenentwurf zum stolzen Toro de Osborne.
Summa Summarum:
Der Osborne-Stier ist mehr als ein Relikt aus der Werbegeschichte. Er ist ein Stück spanische Kultur – ein schwarzer Gigant, der seit Jahrzehnten stolz und unbeweglich über das Land wacht.

Hinterlasse einen Kommentar