Landschaft, Klima & Olivenöl – Spaniens grüne (und trockene) Seele

Spanien – das Land der Sonne, der Oliven und der unendlichen Weiten.
Doch wer glaubt, Spanien sei nur Strand und Siesta, irrt: Kaum ein anderes Land Europas vereint so viele Landschaftsformen, Klimazonen und Extreme auf so engem Raum.


🏞️ Von Hochgebirge bis Mittelmeer

Spanien ist nach der Schweiz das zweitgebirgigste Land Europas. Von den Pyrenäen im Norden über die schneebedeckten Sierra-Nevada-Gipfel in Andalusien bis hin zur trockenen Hochebene der Meseta – das Land ist geprägt von Höhen und Weiten.

Obwohl Spanien flächenmäßig größer als Deutschland ist (ca. 500.000 km² gegenüber 350.000 km²), leben hier nur rund 46 Millionen Menschen – also fast halb so viele. Große Landstriche, vor allem im Landesinneren, sind dünn besiedelt.

Und doch ist das Land modern: Spanien verfügt über das zweitgrößte Hochgeschwindigkeitsbahnnetz der Welt – nach China. Mit über 4.000 Kilometern AVE-Strecken verbinden Züge Madrid, Sevilla, Málaga, Barcelona und Valencia in Rekordzeit.


🌅 Andalusien – Sonne, Staub und subtropische Früchte

Andalusien ist die bevölkerungsreichste und flächenmäßig zweitgrößte Region Spaniens – etwa so groß wie Österreich.
Die Landschaft reicht von kargen Olivenhainen über weite Getreidefelder bis hin zu subtropischen Tälern.
Im Süden, rund um Málaga oder Motril, herrscht bereits subtropisches Klima: Hier gedeihen Avocados, Mangos und Zitrusfrüchte.

Doch die Sonne hat auch Schattenseiten: Waldbrände gehören in vielen Sommern zur traurigen Realität. Außerdem dürfen Bauern nach der Ernte ihre Felder abbrennen, was oft für schlechte Luft sorgt.


🕐 Die Zeit, die nicht stimmt

Wer in Andalusien lebt, merkt schnell: Es wird spät hell und spät dunkel.
Tatsächlich liegt Spanien in der falschen Zeitzone – eigentlich sollte es die gleiche Zeit haben wie Portugal oder Großbritannien.
Doch während der Franco-Diktatur wurde die Uhr aus „Freundschaft“ zu Hitler um eine Stunde vorgestellt – und bis heute hat sich das Land nie zurückgestellt.


🌍 Zwischen Europa und Afrika

Ganz im Süden, an der Straße von Gibraltar, trennen nur 14 Kilometer Meer Spanien von Marokko.
Kein Wunder also, dass in Andalusien viele marokkanische Saisonarbeiter leben. Auf manchen Verkehrsschildern stehen die Hinweise sogar zweisprachig – auf Spanisch und Arabisch, damit sich alle besser orientieren können.


🫒 Spaniens flüssiges Gold – das Olivenöl

Spanien ist der weltweit größte Produzent von Olivenöl – rund 50 % des Weltbedarfs stammt von hier.
Allein in Andalusien wachsen über 70 Millionen Olivenbäume, im ganzen Land sogar rund 290 Millionen.

Ein Olivenbaum kann 1.000 bis 5.000 Jahre alt werden und liefert jährlich 80–100 kg Oliven.
Die Ernte findet zwischen November und Februar statt – und das Ergebnis ist das berühmte flüssige Gold Spaniens.


🧴 So entsteht Olivenöl wirklich

Ein weit verbreiteter Mythos: Oliven würden „gepresst“.
Tatsächlich werden sie heute geschreddert und die Masse anschließend mehrfach gefiltert.

  • Gutes Olivenöl ist bitter und leicht scharf – das ist ein Zeichen von Frische.
  • Anbraten ist damit kein Problem – nur ungefiltertes Öl sollte man nicht erhitzen.
  • Bio-Olivenöl ist empfehlenswerter, da es ohne Pestizide hergestellt wird.
  • Hauptabnehmer sind die USA und Italien – viele italienische Marken füllen sogar spanisches Öl ab.

Und noch ein Tipp: Schwarze Oliven sind oft gefärbt!
Wenn sie entkernt und tiefschwarz glänzen, sind sie fast sicher künstlich eingefärbt.
Echte reife Oliven sind dunkelbraun bis violett.
Frisch vom Baum sind sie ungenießbar – erst nach vier Wochen in Salzwasser werden sie essbar.


🌿 Fazit

Von den kargen Hochebenen Kastiliens bis zu den Olivenhainen Andalusiens – Spaniens Landschaft und Landwirtschaft spiegeln ein Land voller Gegensätze.
Hier trifft heiße Sonne auf alte Bäume, Tradition auf Moderne und Leidenschaft auf Naturgewalt.

Spanien – das Land, in dem selbst ein Tropfen Olivenöl eine Geschichte erzählt.

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